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    glass of potato juice on dark wooden background with copy space.

    Kartoffelsaft gegen Sodbrennen

    Kartoffelsaft gegen Sodbrennen ist eigentlich ein vergessenes Hausmittel aus Omas Zeiten. Schon vor hundert Jahren beschrieb der Züricher Arzt Bircher-Benner frisch gepressten Kartoffelsaft als wirksames Heilmittel gegen Magenbeschwerden. Und erst kürzlich belegte eine Studie erneut, dass frisch gepresster Kartoffelsaft Oberbauchbeschwerden mit Sodbrennen lindern kann. Dazwischen war Pause. Vielleicht, wegen des damals relativ hohen Solaningehalts der Knollen durch den sie besonders im rohen Zustand recht unbekömmlich waren. Moderne Sorten enthalten aber sehr viel weniger Solanin und sind für therapeutische Zwecke viel besser geeignet. Es ist wirklich frappierend, wie viele Fallbeispiele und Erfolgsgeschichten man über Kartoffelsaft bei Sodbrennen finden kann.

    Kurz gesagt

    Kartoffelsaft ist stark basisch und neutralisiert einen Überschuss an Magensäure. Außerdem hemmt er die Neubildung von Magensäure und wirkt entspannend und entkrampfend auf die Muskulatur des Verdauungssystems.

    Die Inhaltsstoffe der Kartoffel

    Kartoffeln bestehen zu etwa 80 Prozent aus Wasser, 15 Prozent Kohlenhydrate, die überwiegend als wasserunlösliche Stärke vorliegen, je etwa zwei Prozent Protein und Ballaststoffe. Die meisten Inhaltsstoffe der Kartoffel sind wasserlöslich und gehen beim Pressen in den Saft über.
    enthält dementsprechend viele wertvolle Inhaltsstoffe, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sowie biologisch aktive Makromoleküle, wie Polysaccharide und Peptide.

    So wirkt Kartoffelsaft gegen Sodbrennen

    Zu den Inhaltsstoffen, die Kartoffelsaft gegen Sodbrennen so wertvoll machen, zählen die basischen Mineralstoffe. Kartoffeln zählen zu den basischsten Lebensmitteln. Diese Eigenschaft verdanken sie in erster Linie ihrem sehr hohen Kaliumgehalt. Kalium macht fast ein Viertel der vorhandenen Mineralstoffe aus.

    Mineralstoffe oder auch andere Bestandteile der Nahrung werden dann als basisch bezeichnet, wenn sie in wässriger Lösung Hydroxilionen, oder auch OH -Ionen, hinterlassen. Dadurch wird der pH-Wert des umgebenden Milieus angehoben und überschüssige Säure neutralisiert. Das passiert nicht nur im Magen, sondern in allen Geweben, aber genau deswegen hilft Kartoffelsaft gegen Sodbrennen, denn er enthält richtig viel Kalium. Auch das Kartoffelprotein wirkt basisch, denn es enthält viel von der basischen Aminosäure Lysin.

    Forscher fanden außerdem heraus, dass Kartoffeln Polysaccharide enthalten, die die Protonen-Kalium-Pumpe hemmen. Dieses Enzym ist die berühmte Protonenpumpe, die auch von gängigen Medikamenten gegen Sodbrennen, den Protonenpumpen Inhibitoren (PPI), in ihrer Aktivität gehemmt wird. Es ist in den Belegzellen der Magenschleimhaut an der Produktion der Magensäure beteiligt. Durch die Hemmung des Enzyms nimmt die Produktion von Magensäure ab.

    Nach dem Genuss von Kartoffelsaft beobachtet man tatsächlich auch keine verstärkte Bildung von Magensäure, wie etwa nach dem Trinken von Milch. Das könnte an der Hemmung der Enzymaktivität liegen.

    Kartoffelsaft hat auch eine leicht spasmolytische Wirkung. Die verdankt er dem Atropin ähnlichen Substanzen, die in allen Nachtschattengewächsen enthalten sind. Dadurch wird die Muskulatur bei Krämpfen im Magen-Darm-Trakt entspannt. Das reduziert die Gefahr von Sodbrennen und saurem Reflux. Der Saft muss allerdings roh sein, denn die Wirkstoffe werden durch Hitze zerstört.

    So wenden Sie Kartoffelsaft gegen Sodbrennen an

    • Verwenden Sie am besten frischen Kartoffelsaft und pressen Sie ihn unmittelbar vor jeder Anwendung. Die Inhaltsstoffe des Saftes oxidieren und verlieren dadurch ihre Wirksamkeit. Nebenbei entwickeln sie noch einen unangenehmen Geschmack.
    • Sie sollten am besten eine zwei- oder dreiwöchige Saftkur mit Kartoffelsaft durchführen. Kartoffelsaft hilft nicht gegen akutes Sodbrennen.
    • Eine dauerhafte Einnahme von Kartoffelsaft ist aber unüblich und nicht ratsam.
    • Nehmen Sie zweimal täglich zu den Mahlzeiten etwa 50 – 100ml Kartoffelsaft.
    • Zuviel Kartoffelsaft sollte man nicht trinken, denn neben seinen positiven Inhaltsstoffen enthält der Saft auch Solanin, eine schwach giftige Verbindung, die typisch für Nachtschattengewächse wie Kartoffeln ist. Eine dauerhafte Einnahme von Kartoffelsaft oder zu hohe Dosierungen sind deshalb unüblich und nicht ratsam.
    • Kartoffelsaft ist nicht gerade ein kulinarisches Highlight. Um den Geschmack zu verbessern, kann man ihn mit etwas Karottensaft versetzen.
    • Ein Esslöffel natives Olivenöl im Kartoffelsaft schützt zusätzlich die Magenschleimhaut.

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    Kartoffelsaft aus eigener Herstellung

    Man muss Kartoffelsaft nicht selbst herstellen. Es gibt Kartoffelsaft auch als Fertigpräparat im Reformhaus kaufen. Besser wirkt aber frisch gepresster Kartoffelsaft.

    Verwenden Sie zur Herstellung des Saftes unversehrte,  frische, dunkel und kühl gelagerte Kartoffeln ohne Keime, mechanische Verletzungen und grüne Stellen und schälen Sie die Kartoffeln großzügig. Das alles dient dazu, den Solaningehalt im Kartoffelsaft möglich gering zu halten.

    Im Ensafter können Sie daraus einfach und schnell Kartoffelsaft herstellen.

    Wenn kein Entsafter zur Verfügung steht, kann man den Saft auch rein mechanisch gewinnen. Die vorbereiteten Kartoffeln werden dazu mit einer Küchenreibe fein gerieben, die gewonnene Kartoffelmasse in ein Küchentuch gegeben und dieses fest ausgedrückt. Der Saft tropft aus dem Tuch in ein Auffanggefäß und kann dann abgefüllt oder – besser noch – sofort verzehrt werden.

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    Die ausgepresste Kartoffelmasse sollten Sie auf keinem Fall entsorgen. Daraus lassen sich leckere Kartoffelgerichte wie Knödel oder Kartoffelpuffer zubereiten.

    Sind rohe Kartoffeln nicht giftig?

    Kartoffeln enthalten das für Nachtschattengewächse typische Alkaloid Solanin, das schwach giftig ist. Seine Giftwirkung entwickelt es wahrscheinlich, indem es die Mitochondrien schädigt, die „Kraftwerke der Zelle“ in denen die Zellatmung stattfindet.

    Die Symptome einer Solaninvergiftung treten ab einer Zufuhr etwa 200mg auf und sind sehr unterschiedlich, reichen von Kratzen im Hals bis zu Herzrhythmusstörungen. Eine Dosis von 400mg Solanin gilt als tödlich. Dafür muss man allerdings bis zu 40kg Kartoffeln auf einmal verspeisen, denn moderne Züchtungen enthalten extrem wenig Solanin.

    Solanin ist wasserlöslich und hitzebeständig. Durch Kochen wird es also nicht zerstört, geht aber während des Kochvorgangs ins Kochwasser über. Nur deswegen sind gekochte Kartoffeln bekömmlicher als rohe.

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    In Zusammenarbeit mit:

    Dr. Evelyn Zientz

    Arbeitete als Postdoc an der Universität Würzburg über die Charakterisierung von bakteriellen Endosymbionten aus dem Mitteldarmgewebe von Ameisen der Gattung Camponotus.
    Dr. Evelyn Zientz

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