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Natron gegen Sodbrennen

Früher war Natron eins der beliebtesten Mittel gegen Sodbrennen, denn es wirkt schnell und zuverlässig. Heute hat man eher Bedenken, Natron gegen Sodbrennen anzuwenden. Zu recht? Wir werden es sehen.

Kurz gesagt:

Natron lindert die Beschwerden von Sodbrennen, indem es überschüssige Magensäure neutralisiert. Bei unsachgemäßer Anwendung können sich allerdings unangenehme Nebenwirkungen einstellen.

Was ist Natron überhaupt?

Ein kleiner Exkurs in die Chemie:

Kohlensäure besitzt die chemische Formel H2CO3. Man kann sich vorstellen, dass sie das Produkt der Vereinigung von einem Molekül Kohlendioxid (CO2) und einem Molekül Wasser (H2O) darstellt. Gibt man umgekehrt Kohlendioxid zu Wasser, löst es sich als Kohlensäure. Wird in einer Säure ein Proton durch ein anderes Ion ersetzt, oft ist das Natrium oder Kalium, erhält man ein Salz. Es gibt zwei verschiedene Natriumsalze der Kohlensäure: Natron und Soda.

Im Natron ist nur ein ein Proton durch Natrium ersetzt. Deswegen nennt man es auch Natriumhydrogencarbonat.

Natron ist unter vielen verschiedenen Namen bekannt:

  • Natriumhydrogenkarbonat
  • Natron
  • Kaiser-Natron
  • doppeltkohlensaures Natron
  • Natriumbicarbonat
  • Backsoda
  • Bullrich Salz
  • E 500

Das ist wichtig, denn manchmal nennt sich auch Natron, was gar keines ist und das kann zu gefährlichen Verwechslungen führen: Natriumhydroxid (NaOH) ist auch unter dem Namen Ätznatron oder – gefährlich kurz – Natron bekannt. Natriumhydroxid ist aber eine stark ätzende Lauge. Auch mit Soda sollte man es nicht verwechseln.

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Nicht verwechseln: Natron und Soda

Natron und Soda sind die beiden Natriumsalze der Kohlensäure. Die chemisch Formel von Natron ist NaHCO3. Hydrogen steht für Wasserstoff und bedeutet, dass ein Proton der Säure noch im Molekül verblieben ist. Ersetzt man beide Protonen durch Natrium erhält man Soda, mit der Summenformel Na2CO3, das auch Natriumcarbonat genannt wird. Soda ist stark basisch und zum Verzehr nicht geeignet. Gesprudeltes Mineralwasser wird zwar oft irreführend als Sodawasser bezeichnet. Es wir aber mit Kohlendioxid hergestellt.

Welche Rolle spielt Natron in unserem Stoffwechsel?

In unserem Stoffwechsel ist Natron ein wichtiger Säureregulator und sorgt dafür, dass für alle Stoffwechselvorgänge die optimalen Bedingungen herrschen. Es reguliert den pH Wert unseres Blutes und sorgt im Dünndarm für ein basisches Milieu. Dadurch ermöglicht es den dort aktiven Enzymen, ihre Arbeit zu verrichten, denn die Aktivität von Enzymen ist an einen bestimmten Säure- oder Basengehalt ihrer Umgebung gebunden.

Darüber hinaus schützt Natron in der Magenschleimhaut die Säure produzierenden Zellen davor, Schaden durch ihre eigenen Produkte zu nehmen. Die Magensäure wird von den Belegzellen der Magenschleimhaut produziert. Die aggressive Salzsäure wird zwar außerhalb der Zellen gebildet, aber naturgemäß ist ihre Konzentration in der Nähe der Magenschleimhaut zunächst hoch und könnte gefährlich werden.

Deshalb geben die Zellen Natriumhydrogencarbonat, also Natron, ab, um den pH in ihrer unmittelbaren Umgebung zu neutralisieren und sich selbst zu schützen.

So wirkt Natron gegen Sodbrennen

Nimmt man Natron gegen Sodbrennen ein, bewirkt man damit genau das Gleiche, was die Natur ohnehin schon vorgesehen hat. Man neutralisiert die Magensäure.

Natron reagiert mit Salzsäure schäumend unter Bildung von Natriumchlorid, Kohlendioxid und Wasser.

N a H C O 3 + H C l ⟶ N a C l + C O 2 + H 2 O

Und genau das passiert in unserem Magen. Natriumchlorid ist nichts anderes als harmloses Kochsalz. Wasser ist auch ungefährlich. Nur das Kohlendioxid kann uns unangenehm werden, wenn wir bei Sodbrennen Natron einnehmen. Es entweicht als Gas und verursacht heftige Schaumbildung. Natron muss unbedingt vorsichtig dosiert werden, denn übermäßige Gasbildung kann in unserem Verdauungstrakt starke Beschwerden wie Blähungen und heftiges Aufstoßen verursachen.

Wo findet man Natron?

Natron ist als Bestandteil vieler Medikamente oder auch pur unter den Markennamen Bullrich Salz oder Kaiser-Natron gegen Sodbrennen erhältlich.

Auch Backpulver oder Brausepulver enthält Natron, ist aberals Mittel gegen Sodbrennen nicht geeignet. Diese Produkte sind allerdings bereits mit einer Säure, meist Weinsäure, Zitronensäure oder Phosphat versetzt, da in diesen Produkten die Gasbildung im Vordergrund steht. Wollte man sie gegen Sodbrennen einsetzen, würde nicht die Magensäure neutralisiert, sondern die Säurebeigabe des Herstellers.

So nehmen Sie Natron bei Sodbrennen ein:

Sodbrennen Medikament und ein Glas Wasser auf einem TischGeben Sie eine Messerspitze Natron in Glas stilles Wasser und rühren das Ganze um. Trinken Sie das Glas unter ständigem Rühren schluckweise leer. Natron ist in Wasser mäßig löslich, es setzt sich also immer wieder ab. Hüten Sie sich vor einer Überdosierung. Das kann sehr unangenehme Nebenwirkungen haben.

Natron ist keine Dauerlösung

Natron bekämpft nicht die Ursachen von Sodbrennen, sondern lindert nur die Beschwerden. Wer nach einem besonders üppigem Festmahl unter saurem Aufstoßen leidet, kann den Beschwerden gerne mit Natron zu Leibe rücken. Bei immer wiederkehrenden Beschwerden sollte man sich aber den regelmäßigen Griff zu Natron verkneifen, denn das basische Mineral kann eine metabolische Alkalose hervorrufen, eine ernsthafte Störung des Säure-Basen-Haushaltes.

Eine metabolische Alkalose ist ein durch den Stoffwechsel bedingter Anstieg des Blut-pH auf einen Wert über 7,43. Als Folge arbeiten viele Enzyme nicht mehr optimal. Die Ursache kann die Einnahme von basischen Pharmaka, wie eben Natron, sein. Außerdem kann sich der Blutspiegel verschiedener Ionen, Natrium und Kalzium, verschieben, was sich im Auftreten von Muskelkrämpfen äußern kann.

Auch wenn man Natron nur gelegentlich bei Sodbrennen einnimmt, kann es bei falscher Dosierung zu Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Erbrechen oder Aufstoßen kommen.

Wenn man allzu häufig bei Sodbrennen zu Natron greift, kann der Stoffwechsel entgleisen. Wohl unter diesem Gesichtspunkt gilt die Anwendung von Natron gegen Sodbrennen heute als überholt.

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In Zusammenarbeit mit:

Dr. Joachim Grünbaum

Dr. Joachim Grünbaum

Leitender Arzt Gastroenterologie der Klinik Schlosspark in Grünberg. Neben mehr als 40 Jahren Erfahrung in der Praxis widmet Dr. Grünberg sich auch der Forschung im Bereich der Onkologie mit dem Schwerpunkt gastroenterologische Onkologie inkl. Misteltherapie.
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