Fresh mustard in a bowl with spices and a spoon.

    Senf gegen Sodbrennen

    Wer nur gelegentlich unter Sodbrennen leidet gibt natürlich die Hoffnung nicht auf, dass das unbeliebte saure Aufstoßen nicht wiederkommt. Und wenn es dann doch passiert, bleibt oft nichts anderes übrig, als sich geschwind nach einem geeigneten Hausmittel umzusehen. Viele Betroffene schwören auf einen Teelöffel Senf gegen Sodbrennen und wieder anderen beschert das scharfe Gewürz erst die gefürchteten Beschwerden.

    Wie kann das sein? In der Tat ist die medizinische Wirksamkeit von Senf gegen Sodbrennen nicht wissenschaftlich belegt. Aber Sodbrennen kann verschiedene, auch gegensätzliche Ursachen haben und Senf ist nicht gleich Senf.

    Kurz gesagt

    Senf kann gegen Sodbrennen helfen, kann die Beschwerden aber auch verschlimmern. Ob und welcher Senf bei Sodbrennen nun hilft, muss jeder für sich selbst herausfinden.

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    Welcher Senf ist gegen Sodbrennen gut?

    Es gibt drei verschiedene Arten von Senf, die sich für die Verarbeitung zu Gewürzsenf eignen. Sie unterschieden sich auf den ersten Blick in der Farbe der Samenkörner, auf den zweiten Blick bezüglich der Inhaltsstoffe der Senfsamen.

    Für das charakteristische Senfaroma sind die Senföle verantwortlich, die in unterschiedlichen Mengen und Ausführungen in den verschiedenen Senfarten enthalten sind. Weißer Senf der Art Sinapis alba ist besonders mild, brauner und schwarzer Senf der Arten Brassica juncea und Brassica nigra enthalten mehr Senfölglycoside und sind deutlich schärfer.

    Gegen Sodbrennen sollte der Senf eher mild sein.

    Warum ist Senf so scharf?

    Für die Schärfe verantwortlich sind die Senfölglycoside Sinalbin und Sinigrin. Sie liegen im intakten Senfkorn in einer inaktiven Form, an ein Molekül Traubenzucker gebunden, vor. Erst wenn der Zucker abgespalten wird entwickeln sie ihre Schärfe. Die Abspaltung des Zuckers wird durch ein Enzym, die Myrosinase, katalysiert. Sie bildet neben Traubenzucker Schwefelsäure und Senföle oder Isothiocyanate. Das sind die scharf schmeckenden, Tränen treibenden Substanzen, die wir nicht nur vom typischen Senfgeschmack kennen, sondern auch aus Meerrettich, Radieschen, Kresse und vielen mehr.

    Wie wirkt Senf gegen Sodbrennen?

    Diesen im Senf enthaltenen Senfölen sagt man nach, die Galle und die Leber zur Fettverdauung anzuregen und einer Überproduktion von Magensäure entgegen zu wirken, so dass Sodbrennen gar nicht erst entsteht. Für die optimale Wirkung soll man ganze Senfkörner schlucken ohne sie zu zerkauen. Auf diese Weise werden die Senföle erst im Magen freigesetzt und können der Speiseröhre nicht schaden. Die Einnahme sollte über ein paar Tage hinweg erfolgen um das Sodbrennen erfolgreich zu beheben.

    Darüber hinaus ist Senf ein basisches Lebensmittel. Sodbrennen kann auch als Folge von grundsätzlicher Übersäuerung des Stoffwechsels auftreten und dann hilft der Verzehr basischer Lebensmittel, den pH im Körper anzuheben und dadurch Sodbrennen zu vermeiden.

    Was man aber nicht vergessen darf: Senföle sind scharf und Scharfstoffe fördern die Entstehung von Sodbrennen indem sie die Produktion von Magensäure anregen. Was man aber auch nicht vergessen darf ist, dass Sodbrennen auch durch einen Mangel an Magensäure ausgelöst werden kann. Je nachdem, ob man nun an Sodbrennen durch zu viel oder zu wenig Magensäure leidet, lässt sich Sodbrennen mit Senf behandeln oder nicht.

    Statt der Körner kann man bei Sodbrennen Senf auch als Paste zu sich nehmen. Verwendet man den Senf aus dem Glas oder der Tube, lohnt sich ein Blick auf die Angaben der Inhaltsstoffe auf dem Etikett. Senfkörner enthalten nicht nur die ätherischen Öle, die Senf bei Sodbrennen so interessant machen, sondern auch noch das so genannte fette Öl, ein ganz normales Speiseöl. Dazu kommt noch ein Proteingehalt von knapp dreißig Prozent. Manche Hersteller entölen das Senfmehl vor der Verarbeitung, da es problematische Bestandteile enthalten kann. Manchmal wird Zucker zugesetzt oder andere Füllstoffe. Am besten ist es natürlich, einen möglichst naturreinen Tafelsenf ohne Zusatzstoffe zu verwenden.

    Falls durch ständig wiederkehrendes Sodbrennen die Speiseröhre bereits entzündet ist, sollt man wenn es brennt lieber auf Senfkörner zurückgreifen. Das schont die Speiseröhre und verhindert zusätzliche Beschwerden.

    Tafelsenf enthält auch Essig, der helfen kann, die Säureproduktion im Magen einzuschränken.

    Wie soll man den Senf bei Sodbrennen einnehmen?

    • Meist empfiehlt sich ein milder Senf, denn die Scharfstoffe könne die Magensäureproduktion anregen.
    • Unzerkaute Körner geben ihre Senföle erst im Magen ab und schonen die Speiseröhre.
    • Für eine langfristige Besserung der Beschwerden führt man eine Senfkur durch und nimmt einen Teelöffel Senf über mehrere Tage hinweg.
    • Bei akutem Sodbrennen hilft ein Teelöffel Senf nach dem Essen.

    In Senf steckt noch viel mehr Öl

    Senföl ist ein pflanzliches Speiseöl, das bevorzugt in der Küche Bangladeschs zum Kochen und Frittieren Verwendung findet. Es enthält etwa 60 % einfach ungesättigte Fettsäuren, wovon knapp die Hälfte auf Erucasäure entfällt. Erucasäure kommt in vielen Kreuzblütlern bzw. Kohlgewächsen vor und wird vom Körper schlechter abgebaut als andere Fettsäuren. Deshalb ist sie ernährungstechnisch problematisch. Deswegen wird Senföl vor dem Kochen bis zum Rauchpunkt erhitzt, was die Erucasäure unschädlich macht, leider aber auch die gegen Sodbrennen wirksamen Isothiocyanate, und alle nützlichen essentiellen Fettsäuren, die im fetten Senföl sonst noch enthalten sind, zerstört.

    So wird der Senf scharf

    Eigentlich stellt das Myrosinasesystem einen Schutz der Pflanze vor Fressfeinden dar: Die Senfölglycoside und das spaltende Enzym, die Myrosinase, befinden sich in der Pflanze in verschiedenen Geweben oder Zellen. Erst wenn die Zellen zerstört werden, durch Fressfeinde oder Gewürzmühlen, gelangen Enzym und Substrat zueinander. Dabei werden so genannte Isothiocyanate, die eigentlichen Senföle, freigesetzt. Sie verleihen dem Senf erst sein scharfes, würziges Aroma und verderben den meisten Fressfeinden den Appetit. Intakte Senfkörner sind geruchsarm und geschmacksneutral, wie auch das Senfmehl aus der Gewürzmühle, denn zur Aktivierung benötigt die Myrosinase Wasser, das die eigentliche Trennung von Zucker und Senföl erst möglich macht.

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    In Zusammenarbeit mit:

    Dr. Evelyn Zientz

    Dr. Evelyn Zientz

    Arbeitete als Postdoc an der Universität Würzburg über die Charakterisierung von bakteriellen Endosymbionten aus dem Mitteldarmgewebe von Ameisen der Gattung Camponotus.
    Dr. Evelyn Zientz

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