Closeup detail of woman putting pink chewing gum into her mouth.

    Kaugummi gegen Sodbrennen – Funktioniert das wirklich?

    Wieder ist es soweit. Das Essen war wohl etwas zu viel, zu scharf gewürzt. Sodbrennen macht sich bemerkbar. Immer öfter in den letzten Wochen. Sie kennen das, so wie die Hälfte aller Deutschen, leiden auch Sie an mehr oder weniger gelegentlichem Sodbrennen und saurem Aufstoßen? Unangenehm und schmerzhaft.

    Weil tatsächlich so viele Menschen davon betroffen sind, gibt es selbstverständlich eine Vielzahl an Empfehlungen, Therapien und Lösungsansätzen. Weniger bekannt ist Kaugummi. Oder besser gesagt, das Kauen desselben.

    Spannend? Warum ist das so und was passiert da? Ist das nachhaltig oder nur gegen akute Schmerzen? Berechtigte Fragen, einige Antworten finden Sie in diesem Artikel.

    Sodbrennen – Volksleiden schlechthin

    Fast 50% der Bevölkerung haben mit Sodbrennen zu kämpfen. Sodbrennen ist auf dem besten Weg sich zum Volksleiden schlechthin zu entwickeln. Da ist es klar, dass man erstmal den Ursachen auf den Grund gehen will. Schließlich ist Sodbrennen nur ein Symptom, so wie Zahnschmerz nicht der kaputte Zahn ist, sondern nur der Hinweis, dass etwas nicht stimmt.

    Sodbrennen hat als Ursache Magensäure und mehr oder weniger verdauten Speisebrei. Beide sollten eigentlich im Magen sein. Verschiedene Störungen führen dazu, dass geringe Mengen den Magen in Richtung Speiseröhre verlassen. Dort rufen sie an den sensiblen Schleimhäuten Verätzungen und sogar Verbrennungen hervor. Das brennt ziemlich stark und wird eben als Sodbrennen bezeichnet.

    Die Ursachen dafür liegen meist im Ösophagussphinkter, dem Schließmuskel, der den Magen von der Speiseröhre trennt. Aufgrund einer Verletzung oder Ermüdung öffnet er sich in die falsche Richtung und Magensäure fließt in die Speiseröhre zurück. Mediziner sprechen in dem Fall von der Refluxerkrankung (Rückfluss / Reflux).

    Zusätzlich wird Sodbrennen von der Ernährung beeinflusst, die Beschwerden verstärken sich, wenn scharf gewürzte Speisen durch die Speiseröhre in Richtung Magen wandern. Alkohol, also der vielgepriesene Verdauungsschnaps, betäubt möglicherweise kurzfristig, lindert aber nur die Symptome.

    Wenn nichts dagegen unternommen wird, kann es zu schwereren Erkrankungen kommen, wie Speiseröhrenentzündung oder gar Speiseröhrenkrebs.

    Was hat das jetzt mit dem Kaugummi zu tun?

    Berechtigte Frage. Es geht um Magensäure. Wenn man nicht verhindern kann, dass sie in die Speiseröhre rückfließt, dann ist die Neutralisierung oder Verminderung der Säure, der beste Weg.

    Der Organismus selbst trifft „Abwehrmaßnahmen“, wenn die Säuremenge in der Speiseröhre zu hoch ist. Er behilft sich mit der sogenannten Hypersalivation. Auf gut Deutsch: vermehrte Speichelproduktion. Diese Selbsthilfe des Körpers wird durch das Kauen von Kaugummi noch verstärkt und wurde auch in ärztlichen Studien nachgewiesen. Wenn Sie während des Kauens noch eine Stunde gemütlich gehen, dann verdoppelt sich der Effekt.

    Wann soll der Kaugummi gekaut werden?

    Wer für Sodbrennen anfällig ist, sollte spätestens eine Stunde nach den Mahlzeiten (postprandial) mit dem Kaugummi kauen beginnen. Dabei – am besten in der frischen Luft – zu gehen verstärkt die Wirkung. Nun kann man darüber streiten, was den besten Effekt erzielt: das Gehen in der frischen Luft oder das Kauen von Kaugummi. Lassen wir es dabei, dass es am besten wirkt, wenn gegangen und gekaut wird.

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    Warum wirkt sich vermehrter Speichel auf die Magensäure aus?

    Speichel kann die Magensäure neutralisieren. Studien mit anschließender 24-Stunden-pH-Metrie (Messung des Säuregehalts der Magensäure über einen Zeitraum von 24 Stunden) ergaben, dass sich analog zur Menge des Speichels die Säurekonzentration verminderte.

    Magensäure ProduktionNoch eine zusätzliche Wirkung hat das Kauen von Kaugummi: durch die rhythmische Kaubewegung werden die Muskeln der Speiseröhre angeregt. Die wellenartigen Bewegungen, die den Transport der Speisen begünstigen (Peristaltik), verstärken sich. Die Nahrung wird schneller abtransportiert und damit auch eventuell überschüssige Magensäure.

    Die Magensäure kann ihre schädigende Wirkung nicht mehr voll entfalten, Schmerzen durch Sodbrennen werden gelindert.

    Kann Kaugummi andere Medikamente oder eine Behandlung ersetzen?

    Wenn dann nur in akuten Fällen und kurzfristig. Unbehandelt kann Sodbrennen gefährlich werden und schwere Erkrankungen auslösen. Alles was an Empfehlungen zu finden ist: Hausmittel und „selbstgestrickte“ Therapien, ersetzen nicht die Behandlung durch einen Arzt, wenn Sodbrennen chronisch auftritt.

    Zusammenfassung: Kaugummi gegen Sodbrennen

    Sodbrennen wird durch Magensäure am falschen Ort ausgelöst. Der Magen selbst besitzt eine Schleimschicht, die durch die aggressive Säure nicht angegriffen wird. In der Speiseröhre ist das anders, dort sind die Schleimhäute sensibler und somit den Angriffen ausgeliefert.

    Speichel ist eine basische Substanz, die den Säuregehalt reduziert, kurz gesagt ein körpereigenes Mittel gegen das Zuviel an Magensäure. Kaugummi kauen erhöht die Speichelproduktion. Wenn dies während des Gehens erfolgt, erhöht sich der Effekt.

    Magensäure selbst ist für unser Überleben wichtig. Nicht nur in Bezug auf den Säuregrad, sondern auch auf die Menge. Schließlich ist sie für den Verdauungsprozess verantwortlich. Genauso wie sie schädliche Bakterien abtötet.

    Häufig werden Symptome und Ursachen in einen Hut geworfen. Beim Reflux ist nach wie vor der Schließmuskel einer der Hauptverantwortlichen für den Rückfluss. Wenn er sich öffnet, fließt Magensäure in die Speiseröhre. Ob dies durch Übergewicht passiert, durch einen Bruch des Zwerchfelles, Muskelermüdung oder Stress ist eine Sache, die die Medizin klären muss.

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    Autor:

    Dr. Joachim Grünbaum

    Dr. Joachim Grünbaum

    Leitender Arzt Gastroenterologie der Klinik Schlosspark in Grünberg. Neben mehr als 40 Jahren Erfahrung in der Praxis widmet Dr. Grünberg sich auch der Forschung im Bereich der Onkologie mit dem Schwerpunkt gastroenterologische Onkologie inkl. Misteltherapie.
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