Ältere Dame mit Sodbrennen Beschwerden

Stiller Reflux und Atemnot – das sollten Sie wissen

Wer unter der Refluxkrankheit leidet, kennt natürlich das lästige Sodbrennen. Aber es gibt auch einen stillen Reflux, der meist zwar nicht unbemerkt bleibt, die Betroffenen aber mit der Frage zurücklässt, woher ihre Beschwerden eigentlich kommen. An ein Problem mit dem Magen denkt man dabei jedenfalls nicht. Neuerdings kristallisiert sich ein bisher unbekannter Zusammenhang heraus. Vieles deutet darauf hin, dass stiller Reflux Atemnot verursachen kann.

Das trifft vor allem Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD). Bei knapp einem Viertel der COPD Patienten scheint ein Zusammenhang zwischen akuter Atemnot und gastroösophagealem Reflux (GERD) zu bestehen. Das kann Zufall sein, möglicherweise besteht aber auch ein ursächlicher Zusammenhang.

Kurz gesagt: Stiller Reflux und Atemnot können ursächlich zusammenhängen. In diesem Fall besteht die Chance, die Atemwegserkrankung mit Säureblockern in den Griff zu bekommen.

Reflux von Mageninhalt in die Speiseröhre ist eigentlich ganz normal. Und ebenso normal ist es, dass der aufgestiegene Mageninhalt durch die peristaltischen Bewegungen der Speiseröhre wieder in den Magen zurück transportiert wird. Krankhaft wird das Geschehen erst, wenn das Milieu in der Speiseröhre dauerhaft angesäuert ist. Die Refluxkrankheit hat viele Ursachen, die aber immer in eine Übersäuerung und die typischen Begleiterscheinungen wie Sodbrennen, Magenbeschwerden oder Brennen hinter dem Brustbein münden.

Stiller Reflux ist eine Sonderform der Refluxkrankheit. Der saure Magensaft steigt unbemerkt und überwiegend in gasförmigem Zustand bis in den Rachenraum und die oberen Atemwege und übt dort seine reizende Wirkung auf das Gewebe aus. Der Patient merkt davon meist nichts, denn die typischen Beschwerden einer Refluxkrankheit bleiben aus. Stattdessen leidet man an Husten, Heiserkeit, einem Kloß im Hals oder eben Atembeschwerden.

Zusammenfassung

  • Stiller Reflux bleibt meist unbemerkt, da er nicht mit den typischen Symptomen einherkommt.
  • Zwischen stillem Reflux und Atemnot gibt es häufig einen Zusammenhang.
  • Dies könnte mit dem Vagusnerv zusammenhängen, der im Hirn die Aktivität fast aller innerer Organe reguliert.

Verursacht stiller Reflux Atemnot?

Reflux und COPD gehören zu den häufigsten internistischen Erkrankungen. Aber nur selten wird ein Zusammenhang zwischen den beiden Krankheitsbildern in Erwägung gezogen, obwohl eigentlich bekannt ist, dass stiller Reflux Atemwegsprobleme nach sich ziehen kann.

Das liegt möglicherweise daran, dass die Lungenkrankheit den Patienten viel mehr Beschwerden bereitet, so dass die Refluxkrankheit zum Nebenschauplatz wird. Dass die Patienten auch unter Reflux leiden, bemerkt man oft erst auf den zweiten Blick.

Noch ist die Frage nicht ganz geklärt, aber der Mechanismus könnte folgender sein: Der Reflux aktiviert reflexartig den Vagusnerves. Der Vagusnerv ist ein Hirnnerv, der die Aktivität fast aller inneren Organe reguliert. Auf die Erregung des Nerves reagiert der Körper mit Hustenreiz und einer Schädigung des Gewebes im Respirationstrakt. Die Folge davon sind Kehlkopfentzündungen, Bronchitis und eben Atemnot.

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Erste Erkenntnisse aus der Praxis

Atemwegserkrankungen werden häufig mit Theophyllin behandelt, einem Medikament, das entspannend auf die glatte Muskulatur wirkt. Deswegen hilft es die verengten Atemwege wieder zu erweitern. Grundsätzlich ist das ein guter Ansatz gegen Bronchialasthma und andere Atemwegserkrankungen. Theophyllin entspannt aber auch die glatte Muskulatur des Verdauungstraktes. Dadurch erschlafft der Schließmuskel des Magens ein wenig und das begünstigt den Reflux. Falls der Reflux Ursache der Atemnot ist, wäre das ziemlich kontraproduktiv. Dann sollte man auf andere Medikamente ausweichen.

Ob bei Lungenpatienten tatsächliche ein stiller Reflux vorliegt, lässt sich am besten mit einer 24h-Stunden-pH-Metrie feststellen. Dabei wird die Säurekonzentration in der Speiseröhre mittels einer (kleinen) Sonde über einen Zeitraum von 24 Stunden gemessen.

COPD Patienten, die gleichzeitig unter stillem Reflux litten, wurden mit Säureblockern behandelt, wie sie zur Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit üblich sind. Das sind H2-Antagonisten, die regulierend auf die Magensäureproduktion einwirken und Protonenpumpenhemmer, die die Magensäureproduktion direkt ausschalten.

Mit den sanfter wirkenden H2-Antagonisten konnte keine nennenswerten therapeutischen Erfolge erzielt werden.

In der Praxis erwies sich aber Omeprazol als wirksam gegen refluxbedingte Atemnot. Omeprazol ist ein Wirkstoff aus der Klasse der Protonenpumpenhemmer, die unter anderem gegen Sodbrennen und Magengeschwüre eingesetzt werden.

  • Bei einem Teil der Patienten zeigte sich nach der Einnahme von Omeprazol ein deutlicher Rückgang der Probleme mit Atemnot. Zumindest einem Teil der Patienten konnte damit geholfen werden.
  • Refluxbedingte Kehlkopfentzündungen ließen sich mit PPI vollkommen zum Verschwinden bringen.
  • Bei Reflux-Asthma, falls es sich denn tatsächlich um solches handelt, sprechen die Patienten eher seltener auf PPI an, auch wenn die pH-Metrie eine Übersäuerung anzeigt und den Einsatz von Säureblockern nahe legt.

Schon gewusst?

Man sollte bei der Therapie von chronischen Atemwegserkrankungen an die Möglichkeit denken, dass diese durch einen stillen Reflux bedingt sein könnten. Liegt tatsächlich eine Refluxkrankheit vor, stehen die Chancen gut, dass die Atembeschwerden sich durch eine Behandlung mit PPI zurückdrängen lassen.

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In Zusammenarbeit mit:

Dr. Joachim Grünbaum

Leitender Arzt Gastroenterologie der Klinik Schlosspark in Grünberg. Neben mehr als 40 Jahren Erfahrung in der Praxis widmet Dr. Grünberg sich auch der Forschung im Bereich der Onkologie mit dem Schwerpunkt gastroenterologische Onkologie inkl. Misteltherapie.
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